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Hans Pape wurde neunzig

Am 4. August 2009 feierte Hans Pape aus Giseladorf seinen 90. Geburtstag. An seinem Achtzigsten war er noch rüstig und wohlauf. Damals hat er sich selbst einige Verse gewidmet:

Hans Pape (4.08.1919 - 14.09.2009)

Hans Pape (4.08.1919 - 14.09.2009)

Neunzig Jahre hat mir der Herr geschenkt.
Schnell sind sie dahingeschieden.
Gar oft war’n sie von Weh durchtränkt,
Auch zum Glück war Zeit geblieben.
Ganz getrost kann ich jetzt sagen:
Ich bekam von allem meine Teile,
Deshalb will ich mich nicht beklagen,
Weil nun beginnt das Gnadenheile.

Oft denkt Hans Pape an die zurückliegende Lebenszeit zurück, die er in seinem Heimatort Giseladorf verbracht hat. Er hat auch in Jahrmarkt gelebt und gut und glücklich hier in Kaufering. Da ihn das Schicksal mit seiner Krankheit nicht zum Idealberuf des Bauern kommen ließ, verwendete er sein Talent und Können in eine andere Richtung. In der Jugendzeit sind schon die ersten Gedichte und Erzählungen von ihm entstanden. Wegen seines labilen Gesundheitszustandes wurde er im Zweiten Weltkrieg nicht in die Armee eingezogen, jedoch gab es bei der Russlanddeportation kein Entrinnen. Die Russen erkannten jedoch bald, dass mit einem abgemagerten und kranken Arbeiter bei der schweren Kohlengrubenarbeit nichts anzufangen war und entließen ihn nach neun Monaten. Er kehrte mit dem ersten Krankentransport in die Heimat zurück. Er kam gerade noch zu Hause an, als ein System eingeleitet wurde, das darauf hinauszielte, vorbildlich funktionierende Landwirtschaft, die mehrere Generationen von Banater Schwaben aufgebaut haben, zunichte zu machen. Der schöne Bauernhof, das Feld, alles war weg, einfach enteignet. Nun musste er endgültig einsehen, dass sein Traum, Bauer zu werden, ausgeträumt war. Um seinem Leben doch einen Sinn zu geben („Lewe is Arbeit, Arbeit is Lewe“), begann er, sich verschiedenen anderen Tätigkeiten zuzuwenden. Er versuchte es mit Tierzucht, (Rassenkleintiere), Gärtnerei und mit verschiedenen anderen Aktivitäten. Schließlich erhielt er eine Stelle als Zentralkassierer der Genossenschaft und später als Landwirtschaftstechniker in der Gemeindeverwaltung. 1950 heiratete er Margarete Schütz, die ihm eine große Stütze im Leben werden sollte. Im Laufe der Jahre wurde die dichterische Tätigkeit von Hans Pape immer intensiver. Bald gab es fast keine Feiern in der Kirche oder der Schule, wo nicht Verse von ihm vorgetragen wurden. Die deutschsprachigen Zeitungen und selbst der Schriftstellerverband wurden aufmerksam auf den Dichter aus Giseladorf. Er sagte immer: „Ich schreib so, wie’s mr kummt un wann’s mr kummt. Aber alles, was ich schreib, kummt vum Herz.“

So sind über 150 Gedichte und Erzählungen entstanden. Zählt man die „Gsetzle zum Ufsoan“, die für gewisse Anlässe, Feste und Feiertage, wie Taufe, Hochzeit, Kirchweih, Geburtstag, Neujahr geschrieben wurden dazu, dann werden es wohl einige hundert sein. Gedichte und Erzählungen, in denen immer wieder als Hauptmotiv sein geliebtes Heimatdorf auftritt. Besonders gern erinnert er sich an seine dort verbrachte Jugendzeit. Dem schwäbischen Bauern mit seinem gesunden Mutterwitz und seiner Naturverbundenheit schenkte der Dichter größte Aufmerksamkeit. Das Landleben und das Brauchtum sind bevorzugte Themen. Seine Verse sind sowohl in Mundart wie auch in Hochsprache gefasst. Im Februar 1985 ist es Hans Pape gelungen, mit Ehefrau und Tochter nach Deutschland zu kommen.

Das dichterische Schaffen von Hans Pape wurde auch im Rahmen der HOG geschätzt. Schon bald nach seiner Ankunft in Deutschland ging man daran, eine Sammlung seiner schönsten Verse und Erzählungen zusammenzustellen. Die HOG hat die Herausgabe seines ersten Buches organisiert. In einem zweiten Buch sollte eine weitere Auswahl seiner Werke erscheinen. Aus Gesundheitsgründen kam es nicht zur Verwirklichung dieses Vorhabens.

Neben dem Dichten hat unser Landsmann ein weiteres schönes Hobby: Er ist ein begnadeter Handwerker und Bastler. Wenn er aus einem schönen Traum von Zuhause erwacht, denkt er immer wieder daran, wie man auch andere daran teilhaben lassen könnte. Er begann zu basteln. Was? Natürlich sein schönes Elternhaus aus Giseladorf mit all dem, was sich darin befand. So entstanden in einem genauen Maßstab von 1:10 bis jetzt über dreihundert Gegenstände, das Haus und alle Einrichtungen des Hofes. Und wie er selber behauptet, ist noch nicht alles fertig. Jeder Gegenstand genau so nachgebildet, wie er einst in den meisten Bauernhöfen Giseladorfs Anfang der vierziger Jahre vorhanden war, natürlich funktionsfähig und formgetreu. Dabei ist bei dem Bastler nicht nur die hohe handwerkliche Kunst zu bewundern, sondern der geschichtliche und kulturelle Wert seiner Erzeugnisse. In den bisher 16 Ausstellungen wurden bislang seine kleinen Kunstwerke gezeigt. Lob und Anerkennung gab es nicht nur von den Landsleuten, sondern auch von namhaften Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Hervorzuheben ist, dass der Bürgermeister von Kaufering, Dr. Klaus Bühler, erstmals eine Ausstellung persönlich für ihn organisiert hat. Sie wurde ein Erfolg.

In einer Periode intensiver Arbeit kam 2005 das Schlimmste. Durch einen Schlaganfall brach Hans Pape in seiner Wohnung in Kaufering zusammen. Es folgte ein längerer Krankenhausaufhalt. Gezeichnet von der Krankheit, lebt er heute bei seiner Tochter in Dietersheim, wo er liebevoll gepflegt wird. Er kann zwar noch lesen und mit Unterstützung gehen. Das Sprechen hingegen fällt ihm schwer. Das Basteln und Dichten musste er leider aufgeben.

Er starb am 14. September 2009 in Dietersheim. Hans Pape hinterlässt eine Tochter und drei Enkel.

Wenn sich dann meine Augen schließen
zum letzten Schlaf auf dieser Welt,
das soll Euch, meine Lieben, nicht verdrießen,
denn mein Rosengarten ist bestellt.