Kurzgeschichte

 

Panjowa

 

 

Die Lage:     

                    Panjowa (Paniova, Panyova, Banioba, Baunioba, Bangeva) liegt im Nordosten Giseladorfs am Rande eines großen

                   Waldgebietes auf einem Abhang des Minischtales. Im Südwesten befindet sich Giseladorf, im Osten Babscha, im

                   Nordosten Kriwobara und Sekasch (siehe dazu Karte der Lage von Giseladorf).

 

 

Geschichtliche Entwicklung:

Es ist der älteste Ort der Umgebung. Es soll ihn schon, nach nicht offiziell bestätigter Angabe, in der Awarenzeit im 8. Jahrhundert gegeben haben. Der Name kommt von „Ban“ und „Joba“. Im Awarischen war ein „bajan“ ein Fürst, Herzog oder ein Führer eines Heeres. „Joba“ ein viel verbreiteter Personenname

Schriftlich nachgewiesen gab es den Ort schon 1711. Er war damals von Serben bewohnt. Später kamen die rumänischen Familien hinzu.

Nach der Befreiung von den Türken gehörte ein großer Teil des südwestlichen Gebietes (meist von Wald belegt) zu den Prädien Gisdias.

Anfang des 18. Jahrhunderts sollen hier schon 130 Deutsche angesiedelt worden sein, die jedoch bis auf einen Rest von ca. 30 Personen weggezogen sind.

1782 wurde versucht, die Gisdiaer Prädie zu verkaufen. Da dies nicht gelang, wurde die Prädie aufgeteilt. Den zu Panjowa gelegenen Teil erwarb der Feldstabsarzt Dr. Gerhard von Vering, der 1811 diesen an die Brüder Sava, Paul und Theodor Demelic verkaufte. Sie richteten ein Wirtschaftsgut mit einem schlossartigen Gebäude auf dem Gebiet ein. Von Demelic gelang das Gut durch Vererbung oder durch Eheschließung an die Familie Theodor Christomannos, dann an Theodor Gyika und zuletzt an die Familie Csernovits. Die letzteren veräußerten einen Teil des Gutes an eine Temeschburger Bank. Mit diesem erworbenen Teil und einem Teil der Gisdiarer Prädien, die noch immer nicht verkauft waren, wurde 1896/98, als private Binnenansiedlung, der deutsche Teil Panjowas mit 90 Familien gegründet. Grund und Boden sowie Hausplatz wurden von jedem einzelnen Ansiedler von der Bank erworben und der Kaufpreis musste im Verlauf der folgenden 10 Jahre beglichen werden. Einige Jahre vor der  Besiedlung wurden große Teile des angebotenen Gebietes von verschiedenen Bewerbern (auch aus Panjowa) gekauft. So hat Adalbert Kunz 354 Joch, Franz Krohn 268 Joch, Karl Eichert 200 Joch, Michael Nauy 117 Joch, Adam Pfeifer 198 Joch und Michael Pfeifer 98 Joch erworben. Ein Teil des Gebietes war mit dichtem Wald bewachsen.

 

Laut den Kirchenmatrikeln gab es zur Zeit der Ansiedlung 1896 in Panjowa schon 32 katholische Deutsche.

Der neue deutsche Teil des Ortes wurde an südöstlicher Seite hinzugefügt. Es wurden drei Hauptgassen und fünf Quergassen angelegt .Ein Teil des Gebietes war mit dichtem Wald bewachsen.

Die meisten Ansiedler stammten aus Josefsdorf, Jahrmarkt, Bentschek und einzelne Familien aus Giseladorf, Warjasch, Rekasch, Lowrin, Blumental und aus anderen Orten des Banats. Fast alle Ansiedler hatten schon mal eine Umsiedlung auf „der grünen Wiese“ mitgemacht..

 

Die Ortschaft wuchs rasch empor. In einigen Jahren standen Haus und Hof. Mitten in der Kreuzgasse wurde ein Glockenturm gebaut und darin 2 Glocken untergebracht. Dieser sollte für viele Jahre Symbol der Panjowaer Schwaben werden. Er steht heute noch auf dem katholischen Friedhof des Ortes. Auf der einen Seite der Kreuzung der Hauptstraße wurde 1901 eine Schule gebaut, in der 1903 der Schulunterricht  begann. Ein Schulraum wurde auch als Gebetshaus ausgestattet. Hier wurde an Sonn- und Feiertagen vom Priester aus Giseladorf die hl. Messe gehalten. Auf der anderen Seite wurde ein Kaufhaus, später auch ein Wirtshaus mit einem großen Saal errichtet.

Der Aufschwung der ersten Jahre war auch der Tatsache zu verdanken, dass viele Ansiedler gute Arbeitsplätze und einen angemessenen Verdienst auf dem Gutshof der Familie Csernovits (die Kastell-Inhaber) und der anderen Großgrundbesitzer wie Kuhn und Kohn fanden.

Die Einwohnerzahl wuchs in den folgenden fünf Jahren (besonders auch durch Zuwanderungen wegen des billigen Bodens) und war 1900 auf 603 deutsche Einwohner gestiegen. Dies war die größte erreichte Einwohnerzahl des Ortes.

Auch im Gemeinschaftsleben ging es aufwärts. Im Jahr 1910 wurde eine Filiale der Temeschburger Raiffeisenbank errichtet und ein Bauernverein gegründet.

Die von Lambrecht gebildete Blaskapelle hat ihre Tätigkeit nach dem Ersten Weltkrieg wieder eingestellt.

 

 

 

 

 

Die ersten Weingärten der Ansiedler wurden angelegt. Dies neben dem bestehenden Aussiedlerhof von Kunz, dessen Weingarten mehr als 10 Joch betrug.

Mitten im Aufschwung kam dann der Erste Weltkrieg. Es begann damit einer der schwersten Perioden in der Geschichte des Ortes. Die jungen Männer wurden zum Wehrdienst einbezogen und somit blieben die meisten Bauernhöfe ohne Bauern. Davon mussten 13 ihr Leben im Krieg lassen. Gleichzeitig kam noch dazu, dass die meisten Großgrundbesitzer ihre Felder verkauften oder der Bank zurückgaben und sich in den Städten Lugosch und Temeschburg niederließen. Mit dem Tod des letzten Grafen von Panjowa, Paul Csernovits, wurde das Gut verkauft, die gesamte Wirtschaft aufgelöst. Damit gingen viele gute, bestens bezahlte Arbeitsplätze für einen großen Teil der deutschen Bevölkerung, besonders für viele Handwerker, verloren. Familien, die in den vergangenen Jahren ihren Zahlungen, die ihnen die Bank bei der Ansiedlung auferlegt hatte, nicht nachkommen konnten, zogen in andere Ortschaften des Banats oder nach Amerika.

 

 

 

 

 

Nach dem Krieg 1919 wurde das Banat in drei Teile geteilt. Der größte Teil kam an Rumänien. Panjowa gehörte jetzt auch zu Rumänien. Administrativ hat sich nichts geändert. Der Ort gehörte ab 1914 zur Gemeinde Giseladorf und kirchlich ab 1912 zur Pfarrei Giseladorf.

Nach Panjowa kam 1921 Lehrer Julius Laas.

 In der Schule wurde erstmals Deutsch unterrichtet. Die rumänische Bevölkerung hatte ja eine andere Schule im rumänischen Teil des Ortes.

Die aus dem Krieg zurück gekommenen Bauern fanden ein großes Angebot an preiswerten Feldern oder Pachtfelder, die die abgezogenen Großgrundbesitzer hinterließen, vor. Allein die Mittel, diese zu erwerben, fehlten ihnen. Die Raiffeisenbank, die ihre Tätigkeit erweiterte, half vielen mit Krediten.

So ging es mit Haus und Hof wieder aufwärts.

Auf Initiative des Pfarrers Dietl aus Giseladorf wurde auch hier eine Einheit der Volksgemeinschaft der Gemeinde gegründet. Eine neue Erzeugergenossenschaft wurde ins Leben gerufen. Neue Geräte und Maschinen für die Bauern und Handwerksbetriebe wurden angeschafft.

Laas gründete auch einen Männerchor, der bis zum Zweiten Weltkrieg wirkte. Dies auch nachdem Lehrer Laas 1931 nach Giseladorf versetzt wurde. Der Deutschunterricht wurde von deutschen Lehrern bis 1935 fortgesetzt. Es wurde wieder Kirchweih gefeiert. Eine kleine Musikkapelle spielte in dem vergrößerten Saal bei allen Feierlichkeiten.

Die Wirtschaftskrise der Jahre 1929 - 32 hat auch die Panjowaer in Bedrängnis gebracht. Doch Mitte der dreißiger Jahre ging es wieder aufwärts.

Die in Volksgruppe umgewandelte Volksgemeinschaft wurde vom Ortsleiter Nikolaus Pfilf geleitet.

Die Jahre 1938 bis 1942 waren auch in Panjowa die schönsten und wohlhabendsten in der Ortsgeschichte

Dann kam der Zweite Weltkrieg, der auch den Panjowaern viel Leid gebracht hat.

Neben den laufenden Requirierungen von Getreide, Tieren und Lebensmitteln für die Front wurden über 80 Panjowaer zum Wehrdienst in die rumänische Armee einberufen. So wie bei den Giseladorfern, wurden auch sie (die es wollten) im Mai 1943 aus der rumänischen Armee entlassen und am 27. Juli gemeinsam mit den Giseladorfern in die deutsche Armee einbezogen. Von ihnen mussten 11 Panjowaer bei der deutschen und rumänischen Armee ihr Leben lassen.

Nach dem verlorengegangenen Krieg wurden auch die Panjowaer Deutschen als Kriegsverlierer und „Kriegsverbrecher“ hingestellt.

 

Im Januar 1945 wurden alle Frauen im Alter zwischen 18 -35 Jahren und alle Männer im Alter zwischen 16 - 45 gemeinsam mit den Giseladorfern zur Zwangsarbeit in die Kohlengruben nach Russland verschleppt. Von den 36 Verschleppten mussten 11 dort ihr Leben lassen.

Der Ortsvorsteher der Volksgemeinschaft Nikolaus Pfilf wurde gemeinsam mit Otto Hehn und Lehrer Julius Laas aus Giseladorf ins berüchtigte Folterlager von Tîrgu-Jiu gesteckt.

 In Panjowa waren zum ersten Mal Not und Armut zu spüren.

Im März 1945 fanden auch die Enteignung und Entrechtung der Deutschen Panjowas statt. Das Feld, das Haus, der Hof, d.h. Grund und Boden, wurden weggenommen. Ein Teil des  Feldes wurde rumänischen Familien zugewiesen. Auch die Deutschen, die bei der rumänischen Armee waren, bekamen Feld. Mit dem verbliebenen Teil wurde eine Staatswirtschaft (Gostat) als Filiale der Gostat aus Rekasch gegründet.

In der Schule wurde nur mehr in rumänischer Sprache unterrichtet. Mit der Schulreform von 1948 bekam der deutsche Teil Panjowas wieder einen ersten Zyklus (1. - 4. Klasse) der Elementarschule, in der Deutsch unterrichtet wurde. Die Schule war eine Staatsschule. Der Staat waren die „Kommunisten“. Der Auffassung dieser Leute nach durfte nichts Religiöses in der Schule stattfinden. Der große Lehrsaal der Schule wurde auch als Gebetshaus verwendet. In ihm befanden sich der Altar und alle Gegenstände, die für das Zelebrieren einer Messe nötig sind. All das musste entfernt werden. Man verlegte alles in Privathäuser, wo auch danach 30 Jahre lang der Gottesdienst stattfand.

Ende der vierziger Jahre kamen die Jungbauern aus der Gefangenschaft zurück. Auch die Russlandverschleppten kehrten allmählich heim. Man versuchte mit dem, was man noch hatte, wieder von vorn anzufangen. Die Bauern verarbeiteten ihr eigenes Feld von den neuen Eigentümern (rumänische Familien oder dem Staat) um die Hälfte. Anfang der fünfziger Jahre wurde das Quotensystem eingeführt. Den Bauern wurde über eine strenge Planwirtschaft schon vor der Saat gesagt, was und wie viel sie anbauen mussten und wie viel sie davon zu einem Spottpreis an den Staat abgeben mussten. War die Ernte schlecht, kam oft nicht das heraus, was „geplant“ war. Dies war auch der Grund, warum 1952 ein großer Teil der Bauern in die Kollektivwirtschaft eintrat. Andere wurden Angestellte oder Tagelöhner der Gostat und der „Maschinen- und Traktorenstation“. Auch die Handwerker wurden in sogenannte Genossenschaften zusammengeschlossen.

Die Raiffeisenbank löste sich gleich nach dem Krieg auf. An ihrer Stelle wurde eine Milchgenossenschaft gegründet, die sich auch über ein Geschäft um den Warenhandel kümmerte.

Ab Mitte der fünfziger Jahre ging es wieder etwas aufwärts. Viel langsamer als früher, aber man war ja auch bescheidener geworden.

Ein „Kulturheim“ wurde im alten Tanzsaal errichtet, man feierte wieder Kirchweih und andere Feste.

Schwester Patrizia Zimmermann kam 1948 nach Panjowa und betreute die katholischen Kinder und Jugendlichen.

Da die Kinder kein Feld mehr erben konnten, schickten immer mehr Panjowaer Eltern ihre Kinder nach der Beendigung der Elementarschule ins Lyzeum, auf die Hochschule oder in eine Fachschule. Sie erlernten meist einen Beruf, den sie in Panjowa nicht mehr ausüben konnten. Die Abwanderung der Jugend, der „Zukunft“ des Ortes, war die Folge davon.

Viel früher als in anderen Orten, wie zum Beispiel in Giseladorf, begann die Abwanderung der Panjowaer aus ihrem Ort. Sie ließen Haus (das 1954 wieder zurückgegeben wurde) und Hof stehen und zogen nach Giseladorf, Josefsdorf, Lugosch oder Temeschburg, wo ihnen ein Überleben als Deutsche aussichtsvoller erschien.

1961 gab es so wenig Schüler in der deutschen Schule, dass diese geschlossen wurde. Die verbliebenen Kinder mussten in die Schule des rumänischen Teils des Ortes gehen.

1964 gab es noch 20 deutsche Familien im Ort, vier Jahre später waren es noch 12, 1974 nur noch 3.

Die Schule verfiel langsam. Der Staat verkaufte sie der Kollektivwirtschaft, die sie fürs Baumaterial abreißen ließ. Die Kommunisten hatten 1960 das große baufällige Csernovits-„Kastell“ abgetragen und in dem großen Park ein neues „Kulturheim“ errichtet. Die Schule des rumänischen Teils Panjowas war schon Jahre vorher in die einstige freistehende Villa Kunz verlegt worden. Der Glockenturm wurde in den Friedhof verlegt. Alle Einrichtungen des Gebetshauses hat die letzte bis 1998 in Panjowa lebende deutsche Frau Theresia Fritz übernommen und in ihrem vorderen Zimmer aufgebaut.

Das Schicksal der Panjowaer, die nach Giseladorf oder Josefsdorf zogen, war dasselbe wie das der Einwohner der genannten Orte. Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre siedelten die meisten in ihre Urheimat nach Deutschland aus.

Wo einst ein stolzes Schwabendorf stand, wo die Gasse voller Kinder und Jugendlichen war, wo man frohe schwäbische Lieder hörte, wo es einen bescheidenen Wohlstand gab, gibt es heute nichts mehr. Nur eine mit verwilderten Sträuchern bewachsene Wiese. Man kann fast nicht einmal erkennen, wo einst die Straßen waren.

Die letzte, in einem dem Zusammenfall drohenden Haus lebende Panjowaerin wurde 1998 ins Adam-Müller-Guttenbrunn (AMG)-Haus nach Temeschburg gebracht.

So geht auch die Geschichte der Panjowaer Schwaben zu Ende.

Alle, auch die noch dort lebenden Rumänen bedauern es. Man kann nur sagen schade, schade, dass es so gekommen ist oder so kommen musste.

 

 M. Egler

  

München, 29. November 1999

 

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