Die Friedhofspflege

und

unsere Friedhofspflegerinnen

Die Friedhofspflege

 Anfang der neunziger Jahre sind immer mehr HOG's verschiedener Orte des Banats dazu übergegangen, den sich im Heimatort befindenden Friedhof im Stande zu erhalten und die Gräber ihrer Verstorbenen zu pflegen. Die meisten HOG's haben das Friedhofsgelände mit einem festen Zaun versehen und in irgendeiner Weise einen „Friedhofsbetreuer“ angestellt, der den Friedhof und die einzelnen Gräber pflegt und im Stande erhält.

Viele unserer Landsleute haben sich mit der Frage an uns gewandt, ob unsere HOG diesbezüglich auch etwas unternehmen will.

Da wir das Vertreterkomitee von Euch allen sind, sehen wir es als unsere Pflicht an, solchen Forderungen nachzugehen.

Aus zahlreichen Diskussionen mit unseren Landsleuten geht hervor, dass die Meinungen und Wünsche diesbezüglich gespalten sind. Es gibt viele Befürworter, aber auch Gegner eines solchen Vorhabens. Die Befürworter weisen meistens auf ihre seelische Verbundenheit und Erinnerung an ihre im Friedhof zurückgebliebenen Verwandten und Bekannten hin und können nicht verstehen, warum unsere HOG zur Pflege des Friedhofs nichts unternimmt.

Der Friedhof an Allerheiligen 2000

 

Die Gegner eines solchen Vorhabens führen meist Argumente an wie „Do une is jo sowieso niemand mehr, for wen solle mir des noch mache?“, „Was soll denn ee Friedhofsbetreuer mache, eemol im Johr Grasmehe?“ oder „Eemol muss jo doch Schluss sin!“ u.a.

Wir haben uns in diese Auseinandersetzung nicht eingemischt, sondern nur immer nur folgende Stellungnahme abgeben:

Als Vertreterkomitee der Gemeinschaft der Giseladorfer und Panjowaer sehen wir es als unsere Pflicht an, uns um solche Vorhaben zu kümmern und, wenn es möglich ist, sie zu realisieren. Wir sind der Meinung, dass zu Ehren und zur Achtung unserer im Friedhof Giseladorfs und Panjowas zurückgelassenen Verstorbenen etwas für die Pflege ihrer letzten Ruhestätte getan werden sollte. Vor allem sollten der Zulauf von Vieherden (Schafen und Kühen) verhindert und der teils verwilderte, verwahrloste Zustand der Erdgräber verbessert sowie die verschmutzten Grabplatten und vermosten Grabsteine etwas gepflegter gehalten werden.

Eine Friedhofspflege sollte nicht gemacht werden, um die wenigen katholischen Deutschen und Ungarn oder die Rumänen „die da unten leben“ zu beeindrucken. Eine Pflege der Gräber wäre auch dann angebracht, wenn es die Orte Giseladorf und Panjowa nicht mehr gäbe und der Friedhof in einer freien Landschaft läge.

Vor einigen Jahren mussten wir unseren Heimatort mit den wenigen Habseligkeiten, die wir hatten, verlassen. Zurückgelassen haben wir in den Gräbern des Friedhofs unsere Großeltern, Eltern, Verwandten und Bekannten. Ihnen gebühren, solange wir noch leben, unsere Achtung und Ehre, die allen kultivierten und zivilisierten Völkern eigen sind.

Weil die politischen Gegebenheiten zu dem gegebenen Zeitpunkt Gott sei Dank es erlaubten, sollte auch wir etwas für die Pflege und Wahrung der Gräber unserer Verstorbenen getan werden. Dies solange wir es noch tun können.

Ein Friedhofsbetreuer mit einer halben Norm (4 Stunden pro Tag) hätte da genügend zu tun.

 Eine zweimalige Abstimmung bei zwei aufeinanderfolgenden Heimattreffen ergab keine Mehrheit für die Friedhofspflege. Dann haben sich die, die für eine solche Pfleg waren, zu einer Art „Interessensgemeinschaft“ im Rahmen der HOG zusammengeschlossen. Entgegen dem Willen der Leitung der HOG, die eine uneingeschränkte Pflege aller Gräber beabsichtigte, waren die Teilhaber der Interessengemeinschaft nur mit der Pflege der Gräber einverstanden deren Pflege auch „bezahlt“ wurde. (Nach dem Motto „wir zahlen nicht für andere“). Wir standen vor der Situation wo der gesamte Friedhof als allgemeines Erscheinungsbild und die Gräber für die bezahlt wurde gepflegt werden sollten.

Zu erst wollten wir eine Friedhofspflegerin über den damaligen Priester aus Lugosch (der auch für Giseladorf zuständig war) anstellen. Verschieden Unstimmigkeiten bezüglich der Zahlungsweise haben dann dazu geführt das wir in Giseladorf selbst eine Friedhofspflegerin aussuchen mussten.

Der erste Vertrag mit der Familie Balogh ist nach nur einem Jahr gescheitert.

Dann wurde Marianne Leiter mit einer täglichen halben Norm verpflichtet. Die Zahlungsweise entspricht den üblichen örtlichen Gehälter (diese Einschränkung wurde uns von der Arbeitsamt Temeschburg auferlegt).

Da sich keine Panjowaer bereit erklärten einen Beitrag für die Pflege ihres Friedhofes zu leisten wurde die Friedhofspflege auf den Friedhof von Giseladorf beschränkt.

Als wir vor fast zehn Jahren mit der Grab- und Friedhofspflege begannen, hatten wir viele Schwierigkeiten. Seit über neun Jahren läuft das gesamte Vorhaben so gut wie es nicht besser laufen kann. Der beste Beweis dafür ist der heutige Zustand des Friedhofes selbst. Wie uns immer wieder Landsleute, die in Giseladorf waren, berichten, ist der Friedhof gut gepflegt.

In den vergangenen Jahren wurden bei jedem zu pflegenden Grab der Beitragsleistenden über-wuchernde Gestrüpp und Unkraut entfernt, der Grabstein und die Betonplatte mit chemischen Mittel gereinigt, die Wege zwischen den Gräbern sauber gehalten, das Gras im Friedhof zweimal im Jahr gemäht, der Weg vom Dorf in den Friedhof mit einem neuen Belag versehen und die Friedhofskapelle komplett renoviert (die innere Betondecke erneuert, der äußere Putz erneuert und gestrichen, der kleine Turm komplett renoviert, eine neue Tür angebracht u.a.). Das gesamte Bild des Friedhofes ist den lokalen Gegebenheiten entsprechend ordentlich und gepflegt. Sicherlich darf man einen Friedhof in Giseladorf in Form,   Ausstattung und Aussehen nicht mit einem Friedhof hierzulande vergleichen.

In dieser Periode wurde auch das Grab von Pfarrer Dr. Elmar Kroner hergerichtet. Es wurde ein Marmorkreuz besorgt, beschriftet und installiert. Das Grab wurde wie üblich mit einer Betonplatte abgedeckt. Die Kosten der Herrichtung des Grabes wurden nicht aus den Zahlungen für die Friedhofspflege, sondern aus Spenden von Landsleuten von hier als auch aus Giseladorf und Lugosch beglichen.

All dies hat viel Mühe und Arbeit gekostet. Neben unserer Friedhofspflegerin in Giseladorf (Marianne Leitinger) hat, die HOG - Verantwortliche für die Friedhofspflege, Frau Eva Schwarzmann, geborene Petri, den größten Beitrag dazu geleistet. Eva Schwarzmann fährt immer im Frühjahr und Herbst jeweils 2 - 3 Wochen nach Giseladorf. Die zwei - drei Wochen verbringt sie ausschließlich mit der Pflege des Friedhofes und kleinen Schönheitsreparaturen an der Kirche und im Kirchhof. Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass sie für ihre Arbeit keine Vergütung jedwelcher Art erhält. Deshalb möchten wir auch in diesem Schreiben im Namen aller Giseladorfer ein herzliches Dankeschön sagen. Vergelt´s Gott.

Im Jahre 1892 (d. h. 10 Jahre nach  der Ansiedlung) wurden auf Initiative von Lehrer Johann Retzler, in der Mitte des Friedhofes 2 Pinienbäume (nach damaliger Sicht Edelhölzer) gepflanzt und ein großes Kreuz errichtet.

Dies ist einer dieser Bäume. Er ist über 100 Jahre alt. Das große Kreuz hat man in den westlichen Teil des Friedhofes verlegt..

Bei Beginn der Friedhofspflege hatten wir uns zum Ziel gesetzt auch ein Zaun um den Friedhof herum oder wenigsten an der Seite zur Panjowaer Straße hin zu errichten. Bei mehreren Diskussionen und Abstimmungen im Vertreterkomitee der HOG hat es immer wieder ältere Landsleute gegeben die „gewettet“ hätten dass so ein Zaun nicht länger als drei Wochen steht. In der damaligen Zeit wurde von den meist armen Neueinwohner Giseladorfs alles mögliche geklaut.

Im Jahre 1998 ist es uns endlich gelungen solche einen Zaun errichten zu lasse. Bodi Josef hat einen schönen mit Drahtgeflecht ausgeführten Zaun der zwei abschließbare Türen zur Straße hin hat errichtet. Der Zaun steht nun schon fast 5 Jahre ohne das jemand etwas davon entwendet hätte.

Für den Bau des Zaunes an den anderen Seite (die ja von angrenzenden Felder geschützt sind) reichten uns die finanzielle Mittel nicht. Das Vorhaben wurde jedoch nicht aufgegeben.

Voriges Jahr wurde zur die dritte Beitragsperiode (ein Periode 4- 5Jahre) aufgerufen. Von 96 Beitragszahlenden der vorherigen Periode waren leider über dreißig gestorben. Wir habe uns an die Ehegatten, Kinder, Enkelkinder mit der Bitte gewandt sie sollen die Beitragszahlung übernehmen. Das Resultat war enttäuschend. Über mehrere persönliche Gespräche von der HOG und der HOG - Friedhofsbetreuerin Eva Schwarzmann ist es uns doch gelungen die Summe für eine Friedhofspflege der nächsten 4 Jahre zusammen zu bekommen.

Ob nach 4 Jahren die Beiträge zu der Fortsetzung der Pflege noch reichen werde ist fraglich.

Sicherlich wird es ein Zeitpunkt geben wo es die wenigsten von und die in Giseladorf geboren und dort gelebt habe noch gib. Dann gibt es scheinbar auch kein Friedhofspflege mehrt. Wie viele sagen ein Ende gibt s doch einmale.

Wir sollten aber solange wir noch könne etwas zu Ehren unsere Ahnen tun.

Vielleicht machen unsere Kinder dies auch mal für uns. 

 

Die Friedhofspflegerinnen

Eva Schwarzmann ist die Verantwortliche der HOG Giseladorf/Panjowa für die Friedhofspflege in Giseladorf/Banat

Wer kennt sie nicht, die Petri Evi,. freundlich, immer mit einem Lächeln im Gesicht und für alle hilfsbereit.

Seit über 9 Jahren macht sie schon das, was bei den meisten Bewunderung, Ehrfurcht, Staunen und bei manchen auch Unverständnis hervorgerufen hat.

Textfeld: Eva Schwarzmann und Michael
     Wild vor dem Eingang der 
             Kapelle 1998
Viele können es nicht verstehen wie sie jedes Jahr zweimal, – einmal im Frühjahr und einmal im Herbst – sich zwei oder manchmal drei Wochen frei nimmt und dann nach Giseladorf fährt. Dort findet sie immer jemand, wo sie bleiben kann. Und was macht sie da zwei Wochen? Sie geht jeden Tag von morgens bis abends auf den Friedhof und bringt diesen in Ordnung. Dafür scheut sie keine Mühe und Kraft. Auch das Geld für ihre Unterbringung und viele „Kleinigkeiten“, die man so braucht, kommen aus ihrer eigenen Tasche. Das ganze Jahr hindurch arbeitet sie Tag für Tag, um so die nötigen Mittel zu erwirtschaften und dann in ihrem Urlaub zweimal je zwei Wochen nach Giseladorf zu fahren. Wenn manche in ihrem Urlaub ans

Meer oder ins Gebirge zur Erholung fahren, dann fährt sie nach Giseladorf. Sie ist froh und glücklich dabei.

In Giseladorf hat sie so manches schon bewirkt.

Da sei zuerst mal die Kapelle des Friedhofs zu erwähnen. In was für einem herabgekommenen Zustand befand sie sich noch vor einigen  Jahren. Das Dach war leck, überall floss Wasser rein, bei starkem Regen standen Pfützen in der Kapelle; der Putz an den Innen- und Außenwänden bröckelte ab, die Wände waren vom herabfließenden Wasser total verschmutzt, die Bodenbetondecke war total verbrochen und aufgewühlt, die Tür nur ein Notverschluss. Die Kapelle war dem Verfall nahe.

Wie sieht sie nach gründlicher Reparatur nun aus? Das Dach komplett neu gedeckt, Dachrinnen neu angebracht, das Kreuz auf dem Dach erneuert, der gesamte Putz innen und außen erneuert, Innen wurde die Kapelle gemalt, die Bodenbetondecke erneuert.

Für die Tür hat sie sich was Besonderes einfallen lassen. In Frankenthal hat sie beim Abbruch eines Hauses eine Metalltür entdeckt, die der Hausherr wegwerfen wollte. Diese hat sie dann nach Giseladorf bringen und einbauen lassen.

Wer sich noch an die Arbeitsmentalität der Handwerker und die Schwierigkeiten, verschiedenes Baumaterial zu beschaffen, im Banat erinnert, kann sich gut vorstellen, was das für Arbeit und Ärger war, bis die Kapelle wie neu aussah.                                                                                            Das neue „große Kreuz“

Eva Schwarzmann und Michael       

     Wild vor dem Eingang der                                                                                                                                          

             Kapelle 1998

Auch in der Ausstattung hat sich so manches verbessert. Der Teppich, die Leuchter, die sie selbst aus Frankenthal mitgebracht hat, und die an der Hinterwand für jeden in Russland verschleppten und dort verstorbenen sowie im Zweiten Weltkrieg gefallenen Giseladorfer ange-brachten kleinen Kreuze (mit jeweils persönlichen Daten) geben dem Raum einen besonderen Eindruck.

Doch nicht nur die Reparatur der Kapelle war ein Erfolg. Das schöne Kreuz aus Marmor, das sie für das Grab von Pfarrer Dr. Elmar Kroner beschafft hat und beschriften ließ sowie das schön zugedeckte Grab des Pfarrers sind ein weiteres Erfolgszeichen ihrer Arbeit. Auch das eiserne Kreuz Pfarrers Csokán wurde von ihr gereinigt, neu gestrichen und hergerichtet. Da ist ja auch noch der gesamte Friedhof. Viele der zu pflegenden Gräber waren derart von Gras und Gestrüpp überwachsen, dass man nicht einmal die Betondecke sah. Die meist weißen barocken Marmorgräber waren derart von Moos und grünem Geflecht überzogen, dass man gar nicht mehr lesen konnte, wem das Grab gehörte. Mit Chlor- und Salzwasser, sowie Besenbürsten wurde jedes Grab und die Betondecke mehrmals gereinigt. Die gepflegten Gräber schauen aus wie neu. Allein für das Waschen der Gräber mussten mehrere Fuhren von Fässern mit Wasser mit einem Pferdewagen aus dem Dorf gebracht werden.

Wenn sie dann mit der Friedhofspflegerin Marianne Leitinger ihre Arbeit im Friedhof getan hat, nahm sie sich die Kirche vor. Wie sie immer sagt, ihr „tut das Herz weh, wenn sie sieht wie unsere einst so schöne Kirche langsam, langsam verkommt“. Sie trommelt da alle Giseladorfer Katholiken (es sind noch ca. 52 Erwachsenen und 8 Kinder im Ort) zusammen und alle müssen unter ihrem Kommando, die Straße um die Kirche reinigen, den Zaun reparieren, das Gras im Hof mähen, den Sockel neu streichen und viele andere kleine Arbeiten erledigen, die eigentlich die Dorfbewohner von sich aus selbst durchführen müssten.

Auch ärgert sie sich immer, dass sie Glasscheiben beschafft sowie Kitt und Werkzeuge mitgebracht hat, um die Fensterscheiben zu ersetzen (damit die Vögel nicht eindringen, in dem Kirchturm ihre Nester bauen und alles total verschmutzen) und keiner der über 25 Männer des Ortes bereit ist, das Nötige zu tun. Immer wieder versucht sie uns, die HOG, zu überzeugen, doch etwas für die Kirche zu unternehmen, da sie sonst zusammenfällt. Oft ärgert sie sich über viele unserer Landleute, die wie sie sagt, nicht 25 DM (jetzt 33 €) aufbringen wollen, um zwei Gräber 4 Jahre lang pflegen zu lassen. Auch viele unqualifizierte Äußerungen oder unbefugte      Anordnungen  missfallen ihr zu Recht

.

   Eva Schwarzmann und Marianne      

    Leitinger  vor Allerheiligen 1998                                                              

Im Dorf ist sie geschätzt, beliebt und immer willkommen.

Nach getaner Arbeit fährt sie dann glücklich und froh nach Hause nach Frankenthal.

Viele mögen es nicht glauben, es ist bei ihr nichts anderes als Heimatliebe, Liebe zu ihrem Ort, in dem sie so viele schwere, aber auch schöne Jahre verbracht hat, Liebe zu ihrem Ehemann, dessen letzte Ruhestätte sich auf dem Friedhof befindet, die sie so eindrucksvoll pflegt und hegt.

Für die HOG ist sie ein Glücksfall. Ein Geschenk Gottes. Was würden wir ohne sie tun?

 

Auch hier möchten wir im Namen aller Giseladorfer ihr ein herzliches Dankeschön sagen.

 

Vergelt‘s Gott

M. Egler

(aus dem Friedhofsbuch Giseladorf)

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